Kräftiges Frottieren schadet der Hundehaut mehr, als die meisten Hundehalterinnen und Hundehalter vermuten. Denn die Haut deines Hundes ist deutlich dünner als deine eigene Haut. Damit ist ihre Schutzbarriere schwächer. Deswegen reagiert sie auch besonders empfindlich auf starkes Reiben. Wenn du also nach dem Baden oder Schwimmen kräftig gegen den Strich deines Hundes rubbelst, belastest du damit: die oberste Hautschicht, die Haarwurzeln und die Oberfläche jedes einzelnen Haares.
Doch wenn dein Hund nicht richtig abgetrocknet wird, begünstigt die Feuchtigkeit in der Unterwolle wiederum Hot Spots und Hautinfektionen. Eine richtige Felltrocknung verfolgt deshalb zwei Ziele: Sie trocknet das Fell vollständig bis auf die Haut und belastet Haut und Haar dabei so wenig wie möglich.
In diesem Beitrag erfährst du, wie die Hundehaut im Vergleich zur menschlichen Haut aufgebaut ist, welche Rassen und Felltypen besonders empfindlich reagieren, was beim Rubbeln in Haut und Haar passiert und wie du deinen Hund Schritt für Schritt schonend und gründlich trocknest.
Das Wichtigste in Kürze
• Die Oberhaut des Hundes besteht aus nur 3 bis 5 Zellschichten und ist 20 bis 100 µm dick, also weniger als ein Zehntel Millimeter (DermaVet).
• Die Hautoberfläche des Hundes ist mit einem durchschnittlichen pH-Wert von etwa 7,4 neutral bis leicht basisch, die des Menschen mit etwa 4,8 deutlich sauer (Scientific Reports). Der schützende Säureschutzmantel ist beim Hund damit schwächer ausgeprägt.
• Kräftiges Frottieren gegen den Strich kann die Hornschicht abtragen, die Haarschuppen aufrauen und die Haarfollikel reizen. Die Folgen reichen von stumpfem, verfilztem Fell bis zu einer tiefen bakteriellen Follikelentzündung.
• Unvollständiges Trocknen ist ein eigenes Risiko: Hunde mit dichter Unterwolle brauchen an der Luft bis zu 24 Stunden, bis sie vollständig trocken sind (Hundewissen mit Kopf).
• Die schonende Methode lautet: Wasser abstreifen, den Hund schütteln lassen, das Handtuch andrücken statt rubbeln, bei Bedarf mit kühler, bewegter Luft nachtrocknen und bis auf die Haut kontrollieren.
Was sagt die Wissenschaft zum Frottieren beim Hund?
Zum Frottieren beim Hund gibt es bislang keine kontrollierten klinischen Studien. Die Empfehlungen in diesem Leitfaden beruhen deshalb auf drei wissenschaftlich etablierten Forschungsbereichen, die zusammen ein klares und belastbares Bild ergeben.
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Forschungsbereich |
Was untersucht wurde |
Was das für das Frottieren bedeutet |
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Anatomie und Barrierefunktion der Hundehaut |
Messdaten zu Oberhaut, Hornschicht, Hautfetten und pH-Wert |
Die Hundehaut ist nachweislich dünner und empfindlicher als die Haut des Menschen. |
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Experimentelle Barrieremodelle am Hund |
Tape-Stripping-Studien, bei denen die Hornschicht kontrolliert mechanisch abgetragen wird |
Wiederholter oberflächlicher Abrieb schädigt die Hautbarriere des Hundes messbar. |
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Tribologie und Veterinärdermatologie |
Reibungsstudien an Haaren (überwiegend Menschenhaar) und Fachliteratur zu Hauterkrankungen durch Fellpflege |
Reibung gegen die Wuchsrichtung schädigt Haare und Follikel, besonders im nassen Zustand. |
Die Tribologie ist die Wissenschaft von Reibung und Verschleiß. Die Veterinärdermatologie ist die Tierhautheilkunde, also das Fachgebiet der Tiermedizin, das sich mit Haut, Haaren und Krallen beschäftigt.
Wenn in diesem Beitrag von Mikroabrasionen die Rede ist, sind feinste Abschürfungen der obersten Hautschicht gemeint. Der Begriff beschreibt einen wissenschaftlich plausiblen Schädigungsmechanismus und keine eigenständige tierärztliche Diagnose.
Wie unterscheidet sich die Hundehaut von der Haut des Menschen?
Die Haut des Hundes ist anders aufgebaut als unsere eigene. Der größte Unterschied dabei ist die Dicke:
Dünne Oberhaut, weniger Zellschichten
Je nach Körperregion, Rasse und Gesundheitszustand ist die Haut des Hundes insgesamt 0,5 bis 5 mm dick. Am Rücken ist sie am dicksten, am Bauch und an den unteren Gliedmaßen am dünnsten. Die Epidermis, also die Oberhaut, besteht beim Hund aus nur 3 bis 5 Zellschichten und ist 20 bis 100 µm dick. Das ist weniger als ein Zehntel Millimeter.
Bei uns Menschen sieht das anders aus. Allein die Hornschicht der menschlichen Haut, also die äußerste Lage der Oberhaut, besteht aus 15 bis 20 Lagen verhornter Zellen (PMC). Darunter liegt die lebende Oberhaut, die beim Menschen je nach Körperstelle typischerweise weitere 50 bis 100 µm misst (PMC). An Handflächen und Fußsohlen kann die menschliche Hornschicht als Schwiele sogar mehrere hundert Mikrometer erreichen (Danish EPA).
Auch die Fachliteratur bestätigt diesen Unterschied. Die Hornschicht des Hundes ist im Allgemeinen dünner als beim Menschen, was für eine geringere Schutzwirkung der Oberhaut spricht (Journal of Veterinary Medical Science). Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) beschreibt die Epidermis des Hundes als „viel dünner“ als die des Menschen und mit nur geringer Schutzfunktion (Fraunhofer IGB).
Weniger Hautfette, durchlässigere Barriere
Die Hautbarriere ist die Schutzfunktion der obersten Hautschicht. Sie hält Wasser im Körper und Keime, Allergene und Reizstoffe draußen. Damit sie funktioniert, braucht sie Lipide. Lipide sind Hautfette wie Ceramide. Sie wirken in der Hornschicht wie der Mörtel zwischen den Ziegelsteinen einer Mauer und dichten die Hautbarriere gegen äußere Einflüsse, aber auch gegen Austrocknung ab. Fehlt dieser „Mörtel“, wird die Mauer brüchig und durchlässiger. Genau das macht die Haut anfälliger für Reibung, Austrocknung und Keime.
Die Epidermis gesunder Hunde enthält von Natur aus weniger Lipide als die des Menschen. Außerdem schwankt der Lipidgehalt je nach Rasse (DermaVet, Skin Barrier Function and Canine Atopic Dermatitis). Hunde haben zudem insgesamt weniger Zwischenzellsubstanz als andere Arten, was zu einer dünnen Oberhaut mit dicht gepackten Zellschichten führt (Theerawatanasirikul et al., Journal of Veterinary Science).
Schwächerer Säureschutzmantel
Ein weiterer Unterschied, den kaum ein Ratgeber erwähnt, ist der pH-Wert der Haut. Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine Oberfläche ist. Werte unter 7 sind sauer, 7 ist neutral, Werte darüber sind basisch. Die menschliche Haut ist leicht sauer. Dieser sogenannte Säureschutzmantel hemmt das Wachstum vieler Krankheitserreger.
Beim Menschen liegt der durchschnittliche pH-Wert der Haut bei etwa 4,8, beim Hund bei etwa 7,4 (Scientific Reports). Je nach Körperstelle, Messmethode und Rasse wurden beim Hund Werte zwischen etwa 5,5 und 7,2 und am Rücken sogar bis 9,1 gemessen (Canadian Journal of Veterinary Research, PMC). Fachleute gehen davon aus, dass dieser höhere pH-Wert ein Grund dafür sein kann, dass Hunde anfälliger für Hautinfektionen sind als Katzen oder Menschen (PMC).
Viele Haare aus einer Öffnung
Hunde haben im Vergleich zum Menschen dünne Haut und sehr viele Haare. Beim Menschen wächst am Körper aus jedem Haarfollikel, also aus jedem Haarwurzelkanal, in der Regel ein einzelnes Haar (Welle & Wiener, Toxicologic Pathology). Hunde besitzen dagegen sogenannte zusammengesetzte Haarfollikel: Aus einer gemeinsamen Öffnung wachsen ein kräftiges Haupthaar und 3 bis 15 feinere Nebenhaare (MSD Veterinary Manual). Bis zu 85 % dieser Follikel bilden beim Hund die Unterwolle (Welle, Veterinary Pathology).
Das Fell übernimmt deshalb einen großen Teil des Schutzes für die Haut. Ein beschädigtes oder verfilztes Fell schützt die Haut entsprechend schlechter.
Schnellere Hauterneuerung
Die Oberhaut des Hundes erneuert sich in etwa 22 Tagen, die des Menschen in etwa 30 Tagen (PMC). Das bedeutet aber auch, dass die Hundehaut auf Reizungen schnell mit verstärkter Zellteilung und Entzündungsreaktionen antwortet. Bei Hauterkrankungen mit vermehrter Schuppenbildung (Seborrhö) verkürzt sich dieser Zyklus sogar auf 7 bis 8 Tage (PMC).
Hund und Mensch im direkten Vergleich
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Merkmal |
Hund |
Mensch |
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Aufbau der Oberhaut |
3 bis 5 Zellschichten, 20 bis 100 µm |
allein die Hornschicht hat 15 bis 20 Zelllagen |
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Hornschicht |
dünner, je nach Körperstelle ca. 6 bis 35 µm |
ca. 10 bis 40 µm, an Schwielen deutlich mehr |
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Hautfette (Lipide) |
von Natur aus geringer, je nach Rasse unterschiedlich |
höherer Lipidanteil |
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pH-Wert der Haut |
durchschnittlich ca. 7,4, neutral bis basisch |
durchschnittlich ca. 4,8, sauer |
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Haarfollikel |
zusammengesetzt, bis zu 15 Haare pro Öffnung |
am Körper in der Regel ein Haar pro Follikel |
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Hauterneuerung |
ca. 22 Tage |
ca. 30 Tage |
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Hauptschutz |
überwiegend das Fell |
überwiegend die Haut selbst |
Für die Praxis bedeutet dieser Vergleich: Was du für deine eigene Haut als angenehm empfindest, ist für die Haut deines Hundes kein Maßstab.
Welche Körperstellen und Rassen sind besonders empfindlich?
Wie bereits erwähnt ist die Hundehaut nicht überall gleich. Eine histologische Studie, also eine feingewebliche Untersuchung von Hautproben unter dem Mikroskop, hat an 16 Körperregionen von Pudeln, Golden Retrievern, Shih Tzus, Möpsen und Labradoren gemessen, wie dick Oberhaut und Hornschicht sind (Theerawatanasirikul et al., Journal of Veterinary Science).
Unterschiede nach Körperregion
Die dickste Hornschicht fanden die Forschenden im Zwischenzehenbereich mit rund 35 µm, die dünnste in der Achsel mit rund 6 µm (PMC). An der Achsel ist die Hornschicht also nur etwa ein Sechstel so dick wie zwischen den Zehen.
Für die Praxis heißt das: Achseln, Leisten, Bauch, Innenschenkel und Ohrmuscheln sind gegenüber Reibung besonders empfindlich. An diesen Stellen ist das Fell meist dünner, sodass Handtuch und Haut direkt in Kontakt kommen. Genau hier solltest du ausschließlich tupfen und niemals rubbeln.
Unterschiede nach Rasse und Felltyp
Auch zwischen den Rassen zeigten sich deutliche Unterschiede.
· Labradore hatten die dickste Oberhaut, Pudel die dünnste.
· Langhaarige Hunde ohne Unterwolle wie Pudel und Shih Tzu hatten eine dünnere Oberhaut als der kurzhaarige Mops und der Labrador mit mittellangem Fell (PMC).
Die Forschenden schließen daraus, dass Hautaufbau, Rasse und Felltyp beeinflussen können, wie anfällig ein Hund für Hauterkrankungen ist. Sie weisen allerdings auch darauf hin, dass die Zahl der untersuchten Hunde klein war.
Neben der Hautdicke spielen weitere rassetypische Merkmale eine Rolle:
· Pudel, Doodles, Bichon Frisé und Shih Tzu haben eine dünne Oberhaut und Fell, das ununterbrochen wächst. Beim Pudel befinden sich bis zu 98 % der Haarfollikel in der Wachstumsphase (Welle, Veterinary Pathology). Lockiges und wolliges Fell verfilzt bei Reibung besonders schnell, und Filz hält Feuchtigkeit direkt an der dünnen Haut. Warum Doodles häufig mit Juckreiz zu kämpfen haben, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Warum Labradoodles zu Juckreiz neigen.
· Yorkshire Terrier, Malteser und Afghanischer Windhund tragen langes, seidiges Haar. Hier wird die Schuppenschicht über die gesamte Haarlänge belastet, und das Verfilzungsrisiko ist bei Reibung am höchsten.
· Deutscher Schäferhund, Golden Retriever, Husky und Spitz haben ein doppeltes Fell aus Deckhaar und dichter Unterwolle. Die Unterwolle speichert viel Wasser und trocknet nur langsam. Mittelgroße bis große Hunde mit mittellangem bis langem Fell gelten außerdem als prädisponiert, also statistisch häufiger betroffen, für die Post-Grooming-Furunkulose, eine tiefe Follikelentzündung nach der Fellpflege (Vetlexicon). Speziell zum Golden Retriever findest du bei uns den Beitrag Hautprobleme und Juckreiz bei Golden Retrievern im Winter.
· Englische und Französische Bulldogge, Mops und Shar-Pei haben ausgeprägte Hautfalten. In den Falten reibt Haut auf Haut, die Luft zirkuliert kaum, und Feuchtigkeit bleibt lange stehen. Diese Rassen sind außerdem kurzköpfig (brachyzephal). Sie haben verengte Atemwege und können überschüssige Wärme schlechter abgeben, was beim Föhnen besondere Vorsicht erfordert. Mehr dazu liest du in unseren Beiträgen zur Hautfaltenentzündung bei Hunden und zum Hautjuckreiz bei French Bulldogs.
· Cocker Spaniel, Basset Hound und Pudel haben Hängeohren oder stark behaarte Gehörgänge. Bei ihnen bleibt Wasser nach dem Baden besonders leicht im Ohr, was Ohrentzündungen begünstigt (Today's Veterinary Nurse).
· Labrador, Boxer und Dobermann haben kurzes Fell und eine vergleichsweise robuste Oberhaut. Doch auch bei ihnen sind Bauch, Achseln und Leisten nur dünn behaart und reagieren empfindlich auf Reibung.
Risikogruppen im Überblick
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Gruppe |
Warum erhöhtes Risiko |
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Hunde mit atopischer Dermatitis oder Allergien |
Hautbarriere bereits geschwächt, Juckreiz-Kratz-Kreislauf |
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Rassen mit dünner Epidermis, z. B. Pudel (PMC) |
weniger Schutz vor Abrieb |
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Langhaar und Lockenfell (Pudel, Doodles, Yorkshire Terrier, Shih Tzu) |
starke Neigung zum Verfilzen, Kutikula wird über die ganze Haarlänge belastet |
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Doppeltes Fell mit Unterwolle (Schäferhund, Retriever, Husky) |
Feuchtigkeit bleibt lange an der Haut. Mittelgroße bis große Hunde mit mittellangem bis langem Fell sind auch für PGF prädisponiert (Vetlexicon) |
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Faltenrassen (Bulldogge, Mops, Shar-Pei) |
Feuchtigkeit und Reibung in den Hautfalten |
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Hunde mit Hängeohren oder behaarten Gehörgängen (Cocker Spaniel, Basset, Pudel) |
Wasser bleibt im Gehörgang, Risiko für Ohrentzündungen (Today's Veterinary Nurse) |
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Welpen und Senioren |
dünnere bzw. weniger widerstandsfähige Haut, schlechtere Temperaturregulation |
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Hunde direkt nach Trimmen, Scheren oder intensivem Bürsten |
Follikel sind schon vorgeschädigt (PGF-Risiko) |
Atopische Dermatitis ist eine erblich mitbedingte, chronisch juckende Hauterkrankung auf allergischer Grundlage. Bei betroffenen Hunden ist die Hautbarriere ohnehin geschwächt. Jede zusätzliche Reibung verstärkt den Kreislauf aus Juckreiz, Kratzen und weiterer Hautschädigung. Welche Ursachen hinter ständigem Kratzen stecken können, erklären wir in unserem Beitrag Dein Hund kratzt sich ständig? Das kann dahinterstecken.
Was passiert beim Rubbeln mit der Haut?
Ein Frotteehandtuch hat Schlingen. Bewegst du das Handtuch kräftig hin und her, üben diese Schlingen eine Scherkraft auf die Hautoberfläche aus. Scherkraft bedeutet, dass Kräfte parallel zur Hautoberfläche wirken und die Hautschichten gegeneinander verschieben.
Nach dem Bad kommt ein zweiter Faktor hinzu: Die Hornschicht hat Wasser aufgenommen, ist aufgequollen und dadurch weicher und weniger widerstandsfähig. Durch die Scherkraft können sich Korneozyten lösen, also die verhornten Zellen der obersten Hautschicht. Besonders an dünnen, wenig behaarten Stellen fehlt das Fell als Puffer, und Haut und Textil kommen direkt in Kontakt.
Was experimentelle Studien zeigen
Wie viel mechanische Belastung die Hundehaut verträgt, lässt sich im Labor mit dem sogenannten Tape-Stripping messen. Dabei wird ein Klebestreifen auf die Haut gedrückt und wieder abgezogen. Mit jedem Abriss löst sich eine feine Lage der Hornschicht. Zwei Studien liefern dazu klare Zahlen.
In der ersten Studie reichten 30 Abrisse aus, um die Hautbarriere des Hundes zu stören. Die Hornschicht regenerierte sich innerhalb von 72 Stunden vollständig. Diese Reparatur ging allerdings mit verstärkter Zellteilung in der Basalschicht einher, der untersten, sich ständig erneuernden Zellschicht der Oberhaut. Zusätzlich entstand eine eosinophile Entzündung der Dermis. Das ist eine Entzündungsreaktion in der Lederhaut unter der Oberhaut, an der bestimmte weiße Blutkörperchen, die Eosinophilen, beteiligt sind (Pin et al., Veterinary Dermatology).
In der zweiten Studie verringerten 25 Abrisse die Dicke der Hornschicht messbar, im Mittel von 19,7 auf 14,3 µm. Nach 50 Abrissen war die Hornschicht fast vollständig entfernt (PMC 10537566).
Tape-Stripping ist stärker standardisiert als das Abtrocknen mit einem Handtuch und wirkt mechanisch anders. Die Ergebnisse zeigen aber eindeutig, dass schon wiederholter oberflächlicher Abrieb messbar Hornschicht abträgt. Gesunde Haut repariert diesen Schaden innerhalb weniger Tage, allerdings mit einer Entzündungsreaktion. Wer seinen Hund häufig badet und jedes Mal kräftig frottiert, gibt der Barriere möglicherweise nicht genug Zeit zur Erholung. Eine gestörte Barriere verliert mehr Wasser, trocknet aus und neigt zu Schuppen. Wenn dein Hund nach dem Baden regelmäßig trockene, schuppige Haut zeigt, findest du weiterführende Informationen in unserem Beitrag Schuppen beim Hund: Ursachen und Symptome.
Post-Grooming-Furunkulose
Die klinisch wichtigste Folge mechanischer Belastung bei der Fellpflege ist die Post-Grooming-Furunkulose, kurz PGF. Übersetzt bedeutet der Begriff „Furunkulose nach der Fellpflege“. Gemeint ist eine tiefe bakterielle Entzündung, bei der Haarfollikel aufbrechen und sich die Entzündung ins umliegende Gewebe ausbreitet.
PGF gilt als Folge eines Follikeltraumas, also einer Verletzung der Haarwurzelkanäle. Auslöser ist eine kräftige mechanische Bearbeitung von Haut und Fell, etwa durch Trimmen von Hand oder intensives Bürsten, gefolgt von einem Bad mit einem keimbelasteten Produkt (Kimura et al., PMC). Das Risiko steigt, wenn gegen die Wuchsrichtung und besonders kräftig gearbeitet wird (Vetlexicon). Wer gegen den Strich bürstet, schert oder badet, öffnet die Follikel, sodass Bakterien leichter eindringen können (Today's Veterinary Practice).
Der häufigste Erreger ist Pseudomonas aeruginosa, ein Umweltbakterium, das feuchte Umgebungen bevorzugt. Es vermehrt sich vermutlich in altem oder vorverdünntem Shampoo und dringt über winzige Verletzungen in die Follikel ein (Today's Veterinary Practice). Die Hautveränderungen treten im Median 2 Tage, also in der Regel zwischen 1 und 7 Tagen, nach dem Wasserkontakt oder der Pflege auf, meist am Rücken (Cain et al., JAVMA). In seltenen Fällen kann PGF zu einer Sepsis, also einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung, und zu Multiorganversagen führen (Veterinary Dermatology).
In der Fachliteratur werden vor allem Bürsten, Trimmen und Scheren als Auslöser genannt. Frottieren gegen den Strich wirkt mechanisch ähnlich, denn auch hier entstehen Scherkräfte an den Follikelöffnungen. Es ist daher fachlich begründet, beim Abtrocknen dieselben Vorsichtsregeln anzuwenden.
Was passiert beim Rubbeln mit dem Fell?
Nicht nur die Haut, auch jedes einzelne Haar reagiert auf Reibung. Um das zu verstehen, lohnt ein Blick auf den Aufbau des Haares.
So ist ein Hundehaar aufgebaut
Wie jedes Säugetierhaar besteht das Hundehaar aus drei Schichten: der äußeren Kutikula oder Schuppenschicht, der Rinde (Cortex), die dem Haar seine Festigkeit gibt, und dem Mark (Medulla) im Inneren (Hair histology, EXCLI Journal). Die Kutikula besteht aus sich überlappenden, verhornten Schuppen, die beim Hund dachziegelartig angeordnet sind. Fachleute nennen diese Anordnung imbrikat (EXCLI Journal). Die Schuppen zeigen immer von der Haarwurzel zur Haarspitze (Microscopy of hair, Forensic Science Communications).
Daraus ergibt sich ein klarer Mechanismus. Reibung in Wuchsrichtung gleitet über die Schuppen hinweg. Reibung gegen die Wuchsrichtung hebt die Schuppenränder an und kann sie abreißen.
Warum nasses Haar besonders verletzlich ist
Eine grundlegende Studie der Society of Cosmetic Chemists hat untersucht, wie Haarpflege die Kutikula verändert. Schon Shampoonieren und Handtuchtrocknen allein können die Schuppenschicht schädigen. Nasses Kämmen oder Bürsten zum Entwirren verstärkt den Schaden deutlich (SCC, S. 55).
Der Grund liegt im Keratin, dem Strukturprotein, aus dem Haare bestehen. Keratin wird unter anderem durch Wasserstoffbrücken stabilisiert, also durch schwache chemische Bindungen. Im nassen Zustand brechen diese Bindungen auf, und das Haar ist wesentlich weniger abriebfest als im trockenen Zustand (SCC, S. 56). Eine Pflegespülung (Conditioner), die vor dem Entwirren aufgetragen wurde, verringerte die Schadensrate in der Studie um bis zu 82 % (SCC, S. 56).
Diese Daten stammen von menschlichem Haar. Hundehaar besteht ebenfalls aus Keratin und hat eine vergleichbare Schuppenschicht, deshalb lässt sich das Prinzip übertragen. Die genauen Prozentwerte gelten jedoch nicht eins zu eins.
Typische Folgen für das Fell
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Schaden |
Entstehung |
Sichtbare Folge |
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Aufgeraute oder abgeschliffene Kutikula |
Scherkraft auf nasse, aufgequollene Schuppen |
stumpfes, glanzloses Fell, mehr Spliss |
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Verfilzung |
angehobene Schuppen verhaken sich, das Handtuch verdreht Haarbündel |
Knoten und Filzplatten, besonders hinter den Ohren, in den Achseln und an der Hose |
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Haarbruch |
Zugkraft auf geschwächte, nasse Haarschäfte |
ausgefranste Spitzen, ungleichmäßige Haarlänge |
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Unterwolle verdichtet sich |
lose Unterwolle wird eingerieben statt gelöst |
Feuchtigkeit bleibt an der Haut, schlechtere Belüftung |
Viele deutsche Pflegeratgeber raten aus diesem Grund ausdrücklich davon ab, langes Fell zu rubbeln, weil es dadurch verfilzt (futter.de). Starkes Rubbeln kann außerdem zu Haarbruch führen (Hundewissen mit Kopf).
Verfilzungen schaden auch der Haut. Sie halten Feuchtigkeit fest, ziehen bei jeder Bewegung an der Haut und behindern die Belüftung. Verfilztes Fell ist deshalb nie nur ein optisches Problem, sondern immer auch ein Risiko für die Hautgesundheit. Besonders im Fellwechsel, wenn viel lose Unterwolle im Fell sitzt, verfilzt das Fell bei Reibung schnell. Wie du die Haut in dieser Phase unterstützt, erfährst du im Beitrag Fellwechsel beim Hund.
Warum ist nasses Fell trotzdem ein Risiko?
Weniger Reibung darf nicht weniger Trocknung bedeuten. Feuchtigkeit, die im Fell zurückbleibt, ist ein eigenständiges Problem für die Haut.
Hot Spots und Hautinfektionen
Feuchtigkeit im Fell bietet Bakterien ideale Bedingungen. Sie begünstigt Hautreizungen und Hot Spots. Ein Hot Spot ist eine akute nässende Hautentzündung, in der Fachsprache pyotraumatische Dermatitis genannt. Die Stelle ist feucht, gerötet, schmerzhaft und wächst oft innerhalb weniger Stunden, weil der Hund sie leckt und kratzt. Besonders gefährdet sind Hals, Achseln und Rutenansatz (Care First Animal Hospital). Wie Hot Spots entstehen und wie du sie pflegst, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag Hotspots bei Hunden: Ursachen und Behandlung.
Dauerhaft feuchte Haut kann außerdem das Wachstum von Hefepilzen fördern. Mehr zu Pilzinfektionen der Haut liest du in unserem Beitrag Was ist eine Pilzinfektion?
Ein Tierarzt weist darauf hin, dass gesunde Hunde nach dem Abtrocknen nicht völlig trocken sein müssen. Hunde mit Hot Spots, Allergien oder anderen Hauterkrankungen in der Vorgeschichte profitieren aber von gründlicherem Trocknen (Adopt-a-Pet, Dr. Collins).
Feuchte Ohren und Ohrentzündungen
Die Ohren werden in vielen Ratgebern nur am Rande erwähnt. Dabei ist der Gehörgang des Hundes L-förmig gebaut. Wasser sammelt sich an seinem tiefsten Punkt und kann schlecht abfließen (AMC New York). Übermäßige Feuchtigkeit durch Baden oder Schwimmen gilt deshalb als begünstigender Faktor für eine Otitis externa, also eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (MSD Veterinary Manual).
Der Mechanismus ist derselbe wie auf der Haut. Dauerhafte Nässe weicht die Hornschicht auf. Fachleute nennen diesen Vorgang Mazeration. Die aufgeweichte Barriere lässt Bakterien und Hefepilze leichter eindringen (MSD Veterinary Manual). Wattestäbchen gehören allerdings nicht in den Gehörgang, weil sie Schmutz tiefer hineinschieben können (AKC).
Unterkühlung und Zugluft
Nasses Fell isoliert schlecht. Steht dein Hund beim Trocknen in Zugluft oder liegt er auf kalten Fliesen, kühlt er schnell aus (Nau Tiere). Bei kühlem Wetter sollte er erst wieder nach draußen, wenn das Fell trocken ist. Kleine Hunde sind meist kälteempfindlicher als große, und bei älteren Hunden, etwa mit Arthrose, ist ein zügiges Trocknen besonders wichtig (guter-hund.de).
Wie lange braucht ein Hund zum Trocknen?
Die Trocknungsdauer hängt von Felllänge, Fellart und Umgebungstemperatur ab. Kurzes Fell trocknet schneller als langes, im Sommer geht es schneller als im Winter (guter-hund.de). Kurzhaarige Hunde sind nach gründlichem Abtupfen oft nach kurzer Zeit trocken. Hunde mit dichter Unterwolle brauchen an der Luft dagegen bis zu 24 Stunden, um vollständig zu trocknen (Hundewissen mit Kopf). Gerade bei diesen Hunden ist das Nachtrocknen mit kühler, bewegter Luft deshalb eine Maßnahme des Hautschutzes.
Das Ziel lautet also: gründlich trocknen, mit möglichst wenig Reibung.
Wie trocknest du deinen Hund richtig ab?
Die schonende Felltrocknung folgt einem klaren Ablauf. Sie beginnt schon vor dem ersten Handtuchkontakt und endet erst mit der Kontrolle bis auf die Haut.
Vorbereitung: alles griffbereit, bevor der Hund nass ist
Lege vor dem Baden mehrere saugfähige Handtücher bereit, bei langhaarigen oder großen Hunden mindestens zwei. Eine rutschfeste Unterlage gibt deinem Hund in der Wanne und danach sicheren Stand. Nimm Halsband und Geschirr ab, damit du alle Körperstellen erreichst und das Material separat trocknen kann (Canivoa). Kommst du vom Spaziergang im Regen zurück, liegen Handtücher idealerweise schon im Flur oder im Auto bereit (guter-hund.de).
Schritt 1: Wasser entfernen, bevor das Handtuch zum Einsatz kommt
Streiche noch in der Wanne mit den flachen Händen in Wuchsrichtung über das Fell. So streifst du bereits einen Großteil des Wassers ab. Lass deinen Hund anschließend sich schütteln. Das Schütteln ist die wirksamste Methode, Wasser ohne jede Reibung aus dem Fell zu bekommen. Langes Fell und den Ohrbehang, also die herabhängenden Ohrlappen, drückst du vorsichtig mit der Hand aus. Wringe das Fell dabei nicht aus.
Schritt 2: Drücken und tupfen statt rubbeln
Lege ein saugfähiges Handtuch auf das Fell, drücke es fest an und halte es einige Sekunden, damit es das Wasser aufnimmt. Arbeite dich abschnittsweise vor. Bei langem Fell umschließt du einzelne Partien mit dem Handtuch und drückst sie aus, ohne an den Haaren zu ziehen (Canivoa). Wenn du doch wischen musst, dann nur in Wuchsrichtung und niemals gegen den Strich. Wechsle das Handtuch, sobald es nass ist.
Eine feste Reihenfolge hilft dir und deinem Hund. Bewährt hat sich, mit Pfoten und Beinen zu beginnen, dann Bauch und Brust zu trocknen, anschließend Rücken und Seiten und zum Schluss vorsichtig Kopf und äußere Ohren (Canivoa). Zwischen den Zehen tupfst du gezielt trocken, denn auch dort hält sich Feuchtigkeit lange. Wie du die empfindliche Pfotenhaut zusätzlich pflegst, erklärt unser Beitrag Vaseline in der Pfotenpflege: Risiken kennen und die Hautbarriere natürlich unterstützen.
Welches Handtuch eignet sich?
Die Technik ist entscheidender als das Material. Ein Frotteetuch, das nur angedrückt wird, schont die Haut mehr als ein Mikrofasertuch, mit dem kräftig gerubbelt wird. Trotzdem unterscheiden sich die Materialien in ihrer Eignung.
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Material |
Vorteil |
Nachteil |
Einsatz |
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Klassisches Frottee |
robust, überall vorhanden |
Schlingen erzeugen beim Rubbeln Reibung, nimmt meist weniger Wasser auf als gute Mikrofaser |
gut geeignet, wenn nur angedrückt wird |
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Mikrofaser |
sehr saugfähig, glatte Oberfläche, trocknet schnell |
Qualität schwankt stark, Weichspüler kann die Saugkraft mindern |
ideal zum Andrücken und Ausdrücken, auch unterwegs |
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Hundebademantel |
nimmt Restfeuchte auf, während der Hund ruht |
ersetzt das Vortrocknen nicht |
nach dem Handtuch, wenn noch deutlich Restfeuchte da ist (Canivoa) |
Mikrofasertücher sind beliebt, weil sie viel Wasser aufnehmen und eine glatte Oberfläche haben. Kontrollierte Vergleichsstudien am Hund gibt es allerdings nicht. Bei der Größe gilt: Das Handtuch sollte groß genug sein, um deinen Hund bequem einzuhüllen, damit du nicht stark reiben musst
Unser Doderm Mikrofaser-Pflegehandtuch ist für die Drück-und-Tupf-Technik konzipiert und eignet sich besonders für kleine bis mittelgroße Hunde sowie für Pfoten, Bauch und Kopf. Bei großen Hunden mit Unterwolle kombinierst du es am besten mit einem zweiten, großen Badetuch.
Schritt 3: Hund föhnen, wenn nötig
Für Hunde mit dichter Unterwolle, Hauterkrankungen oder Hot Spots in der Vorgeschichte ist das Nachtrocknen mit Luft sinnvoll. Ein Tierarzt bezeichnet einen hundegeeigneten Föhn mit kühler Luft als sicherste Methode zum Nachtrocknen (Adopt-a-Pet).
Darf man Hunde also föhnen? Ja, aber mit klaren Regeln. Laut den internationalen RECOVER-Leitlinien für Erste Hilfe bei Tieren zählen Föhne und andere Pflegegeräte zu den typischen Ursachen für Verbrennungen bei Hunden und Katzen (RECOVER Guidelines). Wie schwer eine Verbrennung ausfällt, hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch davon, wie lange die Hitze auf dieselbe Stelle einwirkt (WSAVA 2013, VIN). Auch mäßig warme Luft kann also schaden, wenn sie zu lange auf einen Punkt trifft.
Für das sichere Föhnen gelten folgende Regeln:
• Verwende die kühle oder lauwarme Stufe, niemals die heiße.
• Bewege die Düse ständig und richte sie nie dauerhaft auf eine Stelle.
• Halte als Richtwert 15 bis 30 cm Abstand, bei Hochleistungsgebläsen mehr (Pet Grooming Guide).
• Föhne in Wuchsrichtung. Bauch, Leisten, Innenschenkel, Ohren und Achseln trocknest du nur mit kühler Luft (Pet Grooming Guide).
• Puste nicht in Augen, Ohren, Nase oder auf die Genitalien.
• Prüfe regelmäßig mit der bloßen Hand die Haut. Fühlt sie sich warm an, ist die Luft zu heiß.
Föhnboxen und Käfigtrockner werden zwar als stressarme Alternative beworben, weil der Hund darin nicht direkt angeblasen wird (FOCUS online). Sie bergen jedoch ein Überhitzungsrisiko und dürfen nie ohne ständige Aufsicht laufen. Das Animal Medical Center New York empfiehlt stattdessen Lufttrocknung bei Raumtemperatur oder einen Handföhn (AMC New York).
Schritt 4: Bis auf die Haut kontrollieren
Ein trockenes Deckhaar bedeutet nicht, dass der Hund trocken ist. Fahre deshalb mit den Fingern bis auf die Haut, und zwar an Rücken, Bauch, Achseln, Leisten, hinter den Ohren, am Rutenansatz und zwischen den Zehen. Die Haut muss sich trocken und normal warm anfühlen, nicht kühl und feucht. Die Ohren trocknest du nur außen und im Eingang vorsichtig mit Watte. Schiebe nichts in den Gehörgang.
Danach braucht dein Hund einen warmen, zugfreien Platz mit einer saugfähigen Liegefläche, an dem er vollständig nachtrocknen kann. Ein Platz direkt an der Heizung ist möglich, wenn der Hund selbst ausweichen kann (guter-hund.de). Für Spaziergänge bei Nässe und Kälte kann ein atmungsaktiver Hundemantel sinnvoll sein. Worauf es dabei ankommt, erklärt unser Beitrag Wann ist ein Wintermantel für Hunde sinnvoll?
Schritt 5: Erst entwirren, wenn das Fell trocken ist
Weil nasses Haar wenig abriebfest ist, löst du Knoten möglichst erst am trockenen oder fast trockenen Fell. Musst du nass arbeiten, trage vorher einen Conditioner oder ein Entwirrspray auf (SCC). Bürste immer in Wuchsrichtung.
Checkliste: Hund schonend abtrocknen
1. Handtücher, rutschfeste Unterlage und gegebenenfalls Föhn vor dem Baden bereitlegen, Halsband und Geschirr abnehmen.
2. Nach Meer, Pool oder Schlammbad Rückstände mit klarem Wasser ausspülen.
3. Wasser mit den Händen in Wuchsrichtung abstreifen und den Hund schütteln lassen.
4. Handtuch auflegen, andrücken, halten und abschnittsweise arbeiten.
5. Nicht rubbeln, nicht gegen den Strich arbeiten und nicht am Haar ziehen.
6. Das Handtuch wechseln, sobald es nass ist.
7. Bei Unterwolle oder Hautproblemen mit kühler, bewegter Luft aus 15 bis 30 cm Abstand nachtrocknen und die Haut regelmäßig mit der Hand prüfen.
8. Bis auf die Haut kontrollieren, auch an Achseln, Leisten, Ohren und zwischen den Zehen.
9. Erst am trockenen Fell entwirren, sonst vorher Conditioner verwenden.
10. Shampoo frisch verdünnen und nach Trimmen oder intensivem Bürsten zwei Wochen mit dem Bad warten.
11. Handtücher heiß und ohne Weichspüler waschen und vollständig trocknen lassen.
12. In den folgenden 7 Tagen auf Schmerzen, Fieber, Krusten und Ohrprobleme achten.
Was ist nach einem Bad im See, Meer, Pool und Regen zu beachten?
Nicht jedes nasse Fell stammt aus der Badewanne. Je nach Wasserquelle bringt der Hund unterschiedliche Rückstände mit, die du vor dem Abtrocknen entfernen solltest. Andernfalls reibst du sie mit dem Handtuch tiefer ins Fell und auf die Haut.
Nach dem Schwimmen im Meer spülst du Salz und Sand mit klarem Wasser aus dem Fell. Nach dem Pool entfernst du Rückstände des Poolwassers auf die gleiche Weise. Nach See oder Fluss reicht es meist, Schlamm und grobe Verschmutzungen abzuspülen und Pfoten sowie Zehenzwischenräume zu kontrollieren (Canivoa). Nach einem Regenspaziergang genügt in der Regel das Abtupfen mit dem Handtuch. Achte aber auch hier auf Bauch, Beine und Pfoten, die besonders viel Nässe abbekommen.
Zeigt dein Hund nach dem Schwimmen auffällige Rötungen oder Reizungen, solltest du das tierärztlich abklären lassen (Canivoa).
Wie unterstützt du die Hautbarriere nach dem Trocknen?
Ist die Haut nach dem Bad an einzelnen Stellen gerötet, trocken oder juckt sie, braucht sie vor allem Ruhe und Feuchtigkeit statt weiterer Reibung. Pflegeprodukte mit barrierestärkenden Inhaltsstoffen wie Ceramiden und feuchtigkeitsbindenden Stoffen wie Hyaluronsäure und Glycerin können die Regeneration der Hautbarriere unterstützen. Welche Inhaltsstoffe die Haut beruhigen können, erklären wir ausführlich im Beitrag Juckreiz beim Hund: die Haut wieder beruhigen.
Unser Doderm Skin RepairGel Dog kombiniert Ceramide, Hyaluronsäure, Glycerin und kolloidalen Hafer mit Antikörpern aus Kolostrum, der ersten Milch der Kuh nach der Geburt. Du trägst das Gel dünn auf die vorher sanft trocken getupfte Stelle auf. Das RepairGel ist eine Pflege und ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Bei Fieber, Schmerzen, tiefen oder nässenden Wunden und bei Verdacht auf eine Post-Grooming-Furunkulose gehört dein Hund in die Tierarztpraxis.
Was ist bei welchem Felltyp zu beachten?
Jeder Felltyp stellt eigene Anforderungen an die Trocknung. Die folgende Übersicht zeigt, wie du Handtuch und Föhn je nach Fell einsetzt.
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Felltyp |
Handtuch |
Föhn |
Besonderheiten |
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Kurzhaar (Labrador, Boxer, Dobermann) |
abtupfen, in Wuchsrichtung abstreifen |
meist nicht nötig |
dünn behaarte Stellen am Bauch nur tupfen |
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Doppeltes Fell (Schäferhund, Golden Retriever, Husky, Spitz) |
mehrere Handtücher, abschnittsweise drücken |
kühles Gebläse empfehlenswert, um die Unterwolle bis zur Haut zu trocknen |
Kontrolle an Hals, Hose und Rutenansatz |
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Langhaar, seidig (Yorkshire Terrier, Malteser, Afghane) |
Partien im Handtuch ausdrücken, auf keinen Fall rubbeln |
kühl bis lauwarm, mit Bürste in Wuchsrichtung |
höchstes Verfilzungsrisiko, Conditioner verwenden |
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Locken und Wolle (Pudel, Doodle, Bichon) |
drücken und tupfen |
lauwarm, abschnittsweise |
dünne Epidermis beim Pudel, Filz hält Feuchtigkeit fest |
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Rauhaar (Terrier, Schnauzer) |
abtupfen |
meist Lufttrocknung |
nach dem Trimmen Badepause einhalten (PGF) |
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Faltenrassen (Bulldogge, Mops, Shar-Pei) |
Falten einzeln trocken tupfen |
kühl, mit Abstand |
Kopf kurzköpfiger Rassen nicht anpusten, Überhitzung vermeiden |
Welpen und Senioren brauchen unabhängig vom Felltyp besondere Aufmerksamkeit. Ihre Haut ist dünner beziehungsweise weniger widerstandsfähig, und sie regulieren ihre Körpertemperatur schlechter. Trockne sie zügig, aber besonders sanft, und halte sie von Zugluft fern.
Häufige Fragen zum Abtrocknen von Hunden
Ist Frottieren schädlich für Hunde?
Kräftiges Frottieren, vor allem gegen den Strich, belastet die dünne Hornschicht, die Haarfollikel und die Schuppenschicht der Haare. Kontrollierte Studien speziell zum Frottieren gibt es nicht. Labormodelle zeigen aber, dass wiederholter Abrieb die Hornschicht des Hundes messbar abträgt.. Andrücken und Tupfen ist die schonendere Alternative.
Darf man Hunde föhnen?
Ja, mit kühler bis lauwarmer, ständig bewegter Luft, 15 bis 30 cm Abstand und regelmäßiger Kontrolle der Hauttemperatur mit der Hand. Von heißer Luft ist abzuraten, weil Föhne zu den typischen Ursachen für Verbrennungen bei Hunden zählen.
Ist Mikrofaser besser als Frottee?
Mikrofaser nimmt viel Wasser auf und hat eine glatte Oberfläche. Vergleichende Studien am Hund gibt es aber nicht. Entscheidend ist die Technik: Wer nur andrückt, schont die Haut mit jedem Material.
Kann ich meinen Hund an der Luft trocknen lassen?
Bei gesunden, kurzhaarigen Hunden in einem warmen, zugfreien Raum ist das meist möglich. Hunde mit dichter Unterwolle brauchen an der Luft bis zu 24 Stunden. Bei ihnen und bei Hunden mit Hot Spots oder Allergien in der Vorgeschichte ist gründlicheres Trocknen sinnvoll.
Wann darf ich meinen Hund nach dem Baden bürsten?
Am besten, wenn das Fell trocken oder fast trocken ist, denn nasses Haar ist deutlich weniger abriebfest. Musst du nass bürsten, verwende vorher einen Conditioner oder ein Entwirrspray und bürste in Wuchsrichtung.
Muss ich meinen Hund nach dem Schwimmen im Meer abspülen?
Ja. Spüle Salz und Sand mit klarem Wasser aus, bevor du abtrocknest, damit du die Rückstände nicht ins Fell einreibst. Danach gelten dieselben Regeln: drücken statt rubbeln und die Ohren trocken tupfen.
Warum hat mein Hund nach dem Baden trockene, schuppige Haut?
Häufige Ursachen sind zu häufiges Baden, ungeeignete Shampoos und mechanische Belastung durch kräftiges Rubbeln. Alle drei Faktoren schwächen die ohnehin dünne Hautbarriere des Hundes. Halten die Beschwerden an, sollte eine Grunderkrankung wie eine Allergie tierärztlich abgeklärt werden. Weitere Ursachen erklärt unser Beitrag Schuppen beim Hund.
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